Wie verändert künstliche Intelligenz die Arbeitswelt? Eine Klasse des Beruflichen Gymnasiums für Gesundheit und Soziales mit dem Schwerpunkt Gesundheit erkundete im KI-Showroom in Lemgo innovative Technologien für das Handwerk und diskutierte, welche Chancen sich daraus auch für das Gesundheitswesen ergeben. Dabei verbanden die Schülerinnen und Schüler praktische Einblicke mit dem Englischunterricht und einem kritischen Blick auf die Möglichkeiten und Grenzen künstlicher Intelligenz.
Lemgo. Wie verändert künstliche Intelligenz die Arbeitswelt? Welche Chancen bietet sie – und wo liegen ihre Grenzen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums für Gesundheit und Soziales bei einem Besuch des KI-Showrooms „Künstliche Intelligenz und Digitalisierung im Handwerk“ im InnovationSPIN auf dem Innovation Campus Lemgo.
Der Showroom ist Teil des Projektes „KIDIHA – Künstliche Intelligenz und Digitaloffensive für das Handwerk in NRW“. Das vom Land Nordrhein-Westfalen geförderte Projekt wird gemeinsam von der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe (Abteilung Innovation und Technologietransfer), der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld und dem Fraunhofer-Institut (Frauenhofer IOSB-INA) in Lemgo umgesetzt und bietet in unserer Region einen besonderen Einblick in die praktische Anwendung künstlicher Intelligenz.
Von der Theorie in die Praxis
Der Besuch war eng mit dem Englischunterricht unter der Leitung von Sonja Glöckner verknüpft. Im Vorfeld setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit deutschsprachigem Informationsmaterial zum Thema „KI im Handwerk“ auseinander und entwickelten daraus englischsprachige Infoposter für internationale Besucherinnen und Besucher. Dabei ging es um weit mehr als das reine Übersetzen von Texten: Die Schülerinnen und Schüler mussten Informationen auswählen, verständlich aufbereiten und an die internationale Zielgruppe anpassen. Eine kommunikative Kompetenz, die im Showroom direkt Anwendung fand.
Im InnovationSPIN begrüßte Tobias Böke, Projektmitarbeiter der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, die Gruppe und stellte den Showroom vor. Besonders vielfältig waren die Anwendungen, die die Schülerinnen und Schüler dort kennenlernen konnten. So zeigte beispielsweise die KI-basierte Softwarelösung „Aiperia“, wie KI bei der Nachfrage- und Planungssoftware im Lebensmittelhandwerk eingesetzt werden kann. „Airclip“ ermöglicht die drohnenbasierte und automatisierte Erstellung digitaler Aufmaße, während die KI-Baustellenapp „Benetics“ mit einem ChatGPT-basierten Sprachassistenten die Dokumentation und Erstellung von Berichten unterstützt. Mit „freund-IN“ lernten die Schülerinnen und Schüler zudem einen KI-Chatbot für die Tischlerei kennen, der bei der Kundenberatung und der Visualisierung von Wunschmöbeln eingesetzt werden kann. Raumverbesserungs-Tablets und Plan-Druck-Roboter sowie Einblicke in regionale Praxisbetriebe wie Bäckereien und Tischlereien rundeten die Ausstellung ab.
KI trifft Gesundheitswesen
Besonders spannend war die Frage, welche der vorgestellten Technologien auf das Berufsfeld Gesundheit übertragen werden können. Schließlich liegt hier der Schwerpunkt des Bildungsgangs, den die Schülerinnen und Schüler in der 13. Klasse besuchen. In der abschließenden Diskussion entwickelten die Schülerinnen und Schüler zahlreiche Ideen: KI-gestützte Assistenzsysteme in der Pflege, automatisierte Dokumentation oder robotische Unterstützung in Therapie und Rehabilitation könnten zukünftig auch im Gesundheitswesen eine wichtige Rolle spielen. Dabei wurde deutlich: Künstliche Intelligenz kann Arbeitsprozesse erleichtern und neue Möglichkeiten eröffnen – sie liefert jedoch nicht automatisch fehlerfreie Ergebnisse.
Eine Schülerin konnte dies unmittelbar an einer Anwendung nachvollziehen: „Ich fand es toll, die automatisierte Verkaufstheke einer Bäckerei auszuprobieren. Da ich selbst in einer Bäckerei gearbeitet habe, kann ich das zugrunde liegende Problem des Zählens der Items sehr gut nachvollziehen. Das lässt sich bestimmt auch im Krankenhaus etwa in einem Operationssaal einsetzen, zur Überprüfung der benutzten Instrumente.“ Auch eine andere Schülerin nahm neben den Möglichkeiten die Grenzen der Technologie wahr: „Es ist spannend, wie viele verschiedene KI-Anwendungen es schon gibt. Die Ideen sind gut, bei der Bilderkennung für Räume wird aber auch deutlich, dass die Ergebnisse immer noch einmal überprüft werden müssen, da die Kamera zum Beispiel eine Säule nicht erkannt hat.“
Neue Perspektiven für die berufliche Zukunft
Der Besuch des KI-Showroms machte deutlich, wie eng digitale Entwicklungen und berufliche Praxis inzwischen miteinander verbunden sind. Für die Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums für Gesundheit und Soziales war der Besuch deshalb nicht nur eine spannende Ergänzung des Englischunterrichts, sondern zugleich ein Blick auf mögliche Veränderungen der eigenen beruflichen Zukunft. Eins wurde dabei besonders deutlich: Wer die Arbeitswelt von morgen mitgestalten möchte, muss sich mit künstlicher Intelligenz auseinandersetzen – kritisch, offen und mit Blick auf die Chancen und Herausforderungen, die sie mit sich bringt.
