Lemgo. Eine Gedenkstättenfahrt des Lüttfeld-Berufskollegs nach Auschwitz: 36 Schülerinnen und Schüler und 4 Begleitpersonen setzen sich mit der Geschichte auseinander und erfahren, wie wichtig persönliches Erinnern für die Zukunft ist. Eine Fahrt nach Auschwitz ist mehr als eine Reise an einen historischen Ort: Sie ist eine Begegnung mit der Vergangenheit, die berührt, Fragen aufwirft und zum Nachdenken zwingt. Für die Gruppe vom Lüttfeld-Berufskolleg wurde der Besuch der Gedenkstätte zu einer intensiven Erfahrung, die deutlich macht, wie wichtig es ist, die Erinnerung an die Opfer und die Täter des Nationalsozialismus wachzuhalten und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.
Im Unterricht wird Geschichte durch Texte, Bilder und Erzählungen vermittelt. Wirklich in die Tiefe geht jedoch nur eine emotionale Erfahrung, die im Unterricht kaum vermittelt werden kann. Doch an einem Ort wie Auschwitz bekommt das Gelernte eine andere, unmittelbarere Bedeutung und kann intensiv erfahren und erlebt werden. Die Spuren der Vergangenheit selbst zu sehen, die Orte des Geschehens aufzusuchen und sich vorzustellen, was Menschen dort erleiden mussten, ist emotional wesentlich intensiver als das rein intellektuelle Lernen im Klassenraum, wenn man sich persönlich darauf einlässt. Die Schülerinnen und Schüler begegnen nicht nur historischen Fakten, sondern setzen sich mit dem konkreten Ort und den Schicksalen der Menschen auseinander.
Die Schülerin Lena beschreibt diese Erfahrung eindrücklich: „Es ist etwas anderes, davon im Unterricht zu hören, als selbst an diesem Ort zu stehen.“ Die Fahrt habe ihr gezeigt, wie wichtig es sei, sich an diese Zeit zu erinnern und niemals zu vergessen, was dort passiert sei. Auch die Schülerin Sheyla betont, dass Geschichte in Auschwitz nicht nur in Film und Buch stattfinde, sondern tatsächlich geschehen sei. Diese persönliche Begegnung mit dem historischen Ort verleiht dem Gedenken eine besondere Tiefe.
Für viele Teilnehmende steht deshalb die Bedeutung des Erinnerns im Mittelpunkt. Der Schüler Tyler erklärt, die Fahrt habe ihm gezeigt, wie wichtig es ist, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten. Die Schülerin Paulina unterstreicht, dass man niemals aufhören dürfe, über das Geschehene zu sprechen. Gedenken bedeutet dabei nicht nur, zurückzublicken, sondern auch, sich mit den Werten des heutigen Zusammenlebens auseinanderzusetzen.
Die Erfahrungen in Auschwitz führen zudem zu Fragen nach Verantwortung, Menschlichkeit und dem eigenen Verhalten. Der Schüler Basil hebt hervor, dass man sich mit den eigenen Rollen auseinandersetzen und diese hinterfragen müsse, anstatt blind zu folgen. Die Schülerin Roxana beschäftigt besonders, wie schnell Menschen bereit waren, anderen ihre Menschlichkeit zu rauben, wenn sie von Hass und Propaganda beeinflusst wurden. Ihre Erkenntnis: „Diese Fahrt hat mir gezeigt, dass Frieden nicht selbstverständlich ist.“
Auch der Schüler Ben Kontny beschreibt, wie schwer es für ihn zu verstehen sei, dass so vielen unschuldigen Menschen das Leben und ihre Menschlichkeit genommen wurden. Auschwitz bleibt für ihn ein Ort mit einer furchtbaren Geschichte und zugleich eine Warnung für die Zukunft. Das Gedenken wird damit zu einem Auftrag: Die Erinnerung darf nicht verblassen, und die Würde des Menschen muss geschützt werden.
Die Lehrkräfte Yvonne Budde, Christian Krome und Michaela Stock sowie der Schulsozialarbeiter Michael Sauer begleiten die Gedenkstättenfahrt des Lüttfeld-Berufskollegs nach Auschwitz schon seit vielen Jahren und sind der Überzeugung, dass diese Gruppe sich in besonderer Intensität und mit einem ausgezeichneten Reflexionsvermögen auf diese Erfahrung eingelassen hat.
Eine zentrale Botschaft formuliert der Tourguide Marcin bei seiner Gedenkstättenführung in Auschwitz in wenigen, eindringlichen Worten: „People are people. You, me, we´re people. Not more, not less.“ (Menschen sind Menschen. Ich, Du, wir sind Menschen. Nicht mehr, nicht weniger.) Diese Worte fassen zusammen, worum es beim Erinnern geht: um die Anerkennung der gleichen Menschenwürde, unabhängig von Herkunft, Religion oder anderen Merkmalen. Die Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz zeigt der Gruppe, dass Geschichte nicht verdrängt werden darf. Sie muss erinnert, hinterfragt und aus ihr gelernt werden. Denn nur, wer sich der Vergangenheit stellt, kann dazu beitragen, dass sich Unmenschlichkeit und Ausgrenzung nicht wiederholen.
