Beim Pädagogischen Tag am Lüttfeld-Berufskolleg stand die Künstliche Intelligenz im Zentrum. In Vorträgen und praxisnahen Workshops setzten sich die Lehrkräfte mit Chancen, Risiken und konkreten Einsatzmöglichkeiten von KI im Unterricht auseinander. Ziel war es, Impulse für einen reflektierten und zukunftsorientierten Umgang mit KI in Schule und beruflicher Bildung zu gewinnen.
Lemgo. Im Mittelpunkt des diesjährigen Pädagogischen Tages am Lüttfeld-Berufskolleg stand das Thema „Generative Künstliche Intelligenz (KI)“ und ihre Bedeutung für Schule, Unterricht und die zukünftige Berufswelt von Schülerinnen und Schüler.
Vorträge
Zu Beginn begrüßte die Schulleiterin Andrea Brasch das Kollegium und stellte in ihrem Einführungsvortrag gleich eine zentrale Frage: „Ist KI in der Schule eine Chance oder ein Risiko?“ Ihre Antwort darauf lautete bewusst: „Sowohl als auch.“ Damit brachte sie die Ambivalenz zum Ausdruck, die viele Diskussionen rund um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz prägt. In ihrem Vortrag ging sie auf Chancen und Risiken von KI ein und stellte grundlegende Fragen in den Mittelpunkt, die insbesondere für die berufliche Bildung von großer Bedeutung sind: Wie wird KI die Berufswahl von Schülerinnen und Schülern beeinflussen? Wie verändern sich Berufe durch KI? Welche Kompetenzen benötigen junge Menschen, um in einer zunehmend digital geprägten Arbeitswelt erfolgreich zu sein? Gleichzeitig betonte sie die weiterhin zentrale Rolle der Lehrkräfte. Lehrerinnen und Lehrer würden auch in Zukunft unverzichtbar bleiben – als Lernbegleiter, Lerncoach und pädagogische Bezugspersonen für ihre jeweiligen Lerngruppen.
Im Anschluss hielt Christian Behnke, Lehrer an einem Berufskolleg sowie pädagogischer Mitarbeiter im Dezernat 46 der Bezirksregierung Detmold, einen Grundsatzvortrag mit dem Titel „Mit KI heiter scheitern und vorankommen – ein multiperspektivischer Appell fürs Ausprobieren von Künstlicher Intelligenz“. Darin ermutigte er die Lehrkräfte, KI aktiv zu nutzen und als Werkzeug für Unterricht und schulische Entwicklung einzusetzen.
Behnke machte deutlich, dass der Umgang mit neuen Technologien immer auch Lernprozesse beinhaltet, in denen Fehler eine wichtige Rolle spielen. Er unterschied dabei drei Formen des Scheiterns: das anwendungsorientierte Scheitern, das technologische Scheitern sowie das gesellschaftlich-kulturelle Scheitern. Sein Appell lautete: KI offen zu begegnen, sie auszuprobieren und auch Rückschläge als Teil eines Lernprozesses zu akzeptieren. Gleichzeitig plädierte er dafür, KI kritisch zu reflektieren und verantwortungsvoll einzusetzen.
Workshops
Nach den Vorträgen folgte der praxisorientierte Teil des Pädagogischen Tages. In zahlreichen Workshops hatten die Lehrkräfte die Möglichkeit, konkrete Anwendungen von KI kennenzulernen und auszuprobieren. Das Spektrum der Angebote war breit gefächert: Von rechtlichen Grundlagen der KI über den Einsatz der KI als Feedback-Tutor im Unterricht bis hin zur kreativen Nutzung von KI-Werkzeugen.
So beschäftigte sich ein Workshop mit den rechtlichen Rahmenbedingungen beim Einsatz von KI in der Schule. Andere Angebote zeigten, wie KI als Unterstützung für Feedbackprozesse im Unterricht genutzt werden kann („FOBIZZ-Tools für den Unterricht nutzen“) oder wie sich Übungen und Multiple-Choice-Tests mithilfe von KI erstellen lassen. Auch kreative Einsatzmöglichkeiten standen im Blick, etwa die Gestaltung interaktiver Medien wie Websites, Bilder oder Avatar-Videos für den Unterricht.
Darüber hinaus wurden Workshops zur allgemeinen Prüfungskultur im Zeitalter von KI angeboten. Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie sich Lernprozesse und Prüfungsformate durch KI verändern und wie Schulen darauf reagieren können. Weitere Veranstaltungen widmeten sich der Entwicklung eigener KI-Tutoren („Mit telli eigene KI-Tutoren datenschutzkonform entwickeln, erproben und kritisch reflektieren“) oder der Nutzung digitaler Tools zur sprachlichen Entlastung im Unterricht.
KI am Lüttfeld-Berufskolleg
Der Pädagogische Tag machte deutlich, dass KI längst im schulischen Alltag angekommen ist. Viele Schülerinnen und Schüler nutzen entsprechende Anwendungen bereits selbstverständlich. Für Schulen stellt sich daher zunehmend die Frage, wie KI sinnvoll in Lernprozesse integriert werden kann – nicht als Mittel zum Abschreiben oder Schummeln, sondern als unterstützendes Werkzeug.
Einigkeit bestand am Ende des Pädagogischen Tages darüber, dass die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz für die schulische Entwicklung unverzichtbar ist. KI wird nicht wieder verschwinden – vielmehr ist sie Teil eines umfassenden technologischen und gesellschaftlichen Wandels. Damit verbunden sind auch neue Herausforderungen für Lehrkräfte: Welche Aufgabenstellungen eignen sich im Zeitalter von KI? Wie können Leistungsüberprüfungen gestaltet werden? Und welche Aufgaben bleiben weiterhin in der Verantwortung der Lehrkräfte, während andere möglicherweise von KI unterstützt werden können? Der Pädagogische Tag bot daher wichtige Impulse, um diesen Wandel aktiv mitzugestalten. Nun geht es darum, die gewonnenen Erkenntnisse weiterzuentwickeln, Konzepte zu erarbeiten und Strukturen aufzubauen, damit der reflektierte Einsatz von KI auch langfristig im Schulalltag verankert werden kann.
Danke
Ein besonderer Dank gilt allen Beteiligten, die zum Gelingen des Tages beigetragen haben – insbesondere Christian Behnke für seinen Grundsatzvortrag, den Referentinnen und Referenten der Workshops Gritta Bolli, Markus Dück, Nicola Lilje und Katja Weber, Katharina Löwenstein, Natalie Lüke, Martina Polley, Mirco Schönfeld, Sarah Tölke und Leonard Weiß sowie Anja Viehmeister und den Schülerinnen und Schülern der Berufsfachschule für Ernährungs- und Versorgungsmanagement für die Organisation der Verpflegung.
